Alle Preisträger
Die Preisträger der Skulpturenreihen
1. Das Wort ist Würde
mittendrin
unbehauen
aufrecht stehen
der nackten Wirklichkeit
die raue Haut zeigen
sich nicht beugen
standhaft bleiben
nebeneinander in Würde
Worte finden
die den Himmel berühren
Maria Schmetz
2. Gegensatzsteine
zu 2.2. Wirrnis und Ordnung
kiesel sortieren
nach farbe größe form
kiesel zählen
mit immer anderem ergebnis
dann zurück werfen
ins meer
Wilhem Hasse (1.Platz) zu 2. Gegensatzsteine
gegensätze ziehen sich an
vernunft gibt chaos warme jacke
chance steckt pflicht in minirock
fiktion reicht wirklichkeit rosa brille
protest macht bindungs' krawatte los
ordnung streicht wirrnis' bluse glatt
und wahnsinn sagt zu methode: hach,
was siehst du wieder toll aus!
Schrapper Heike (2. Platz)
3. Petroglyphen
zu 3.7. Petroglyphen Stelengruppe Vorderansicht
Wer seid ihr
Wächter
Zeugen
Verlorene
Gebrochen aus Fels
starr
unbeweglich
Unberührt
nicht unberührbar
Leben eingeritzt
Gesichter spiegelgrau
Strichmund
Augen geschlitzt
Was seht ihr
Wer steht wer fällt
schlägt euer steinernes Herz
Hinten links
einer lacht
vielleicht
Christiane Röper
4. Fünf Ringe
es wandeln die Götter
tänzeln
von Olymp zu Olymp
es kreisen die Mütter
erschaffen
stets neu die Welt
Jolanda Faeh-Weilenmann
5. Zeitsteine
zu 5.4. Zeitweise
gene
in mir sitzen:
ein dorfschullehrer
ein wehrmachts-pilot
zwei freudenmädchen
ein trapezkünstler
eine waschfrau
drei quartalssäufer
ein friedhofsgärtner
.
.
.
und spielen
menschärgeredichnicht
Segler Peter (3. Platz)
Zeitweise
Zeitweise
blicke ich auf
mein verlassenes Ich
in der Tiefe.Zeitweise
erkenne ich meine
abgestreiften Kleider,
finde ich meine
verlegenen Gedanken,
spüre ich meine
ausgeleerten Gefühle
dort.Zeitweise
schiebt sich
ein Himmelsstreifen
durch mein Dach.
Proschinger Traudl
6. Das Unerreichbare
DAS UNERREICHBARE
Ich rüttele nicht an den Stäben
hinter denen meine Königin schweigt
Schauen Sie auf der Leine da hängt
meine Seele jeden Tag
wird sie gelüftet und gebleicht
Der Rest von mir holt sich
etwas Himmelsschaum herunter
und rasiert sich ein
spiegelglattes Kinn
Bärbel Klässner (4. Platz)
7. Häuser
zu 7.6. Bauern
BAUERSTERBEN
ich erinnere mich:
ein mann schlich durchs gras
gegen morgen und köpfte die kelche
und ließ sie liegen aber nicht achtlos:
so reiften sie zum atem des sommers
heran
wenn ich das wort sensenmann hörte
dachte ich oft noch an ihn
und seine großen hände aus horn
er starb friedlich nicht lang darauf
er nickte beim schafkopf ein
als der ober den unter stach
sein sohn stirbt noch immer
und mit ihm die andern und
mit ihnen ihr dorf:
die heimat stolpert in den hinteren abgrund
und schlägt mit breiter erinnerung auf:
die atmet tief durch und ist nicht asthmatisch
Gerd Berghofer
8. Tore
zu 8.3. weg gehen
BITTE WO GEHT'S HIER ZUM
BEZIRKSKRANKENHAUS?sie hüpfen durch die Neongärten vor der Mauer
pflücken sich Aktienpakete vom Dollarbaum
jauchzen und irren sich nie
am Abend intellektuell kollektives Rühren
im Latte macchiato bei facts und basics
danach Abtanzen im augen
betäubenden Donnerschlag des Laserlichts
hinter der Mauer jedoch die namenlosen Irrläufer
stumm und weder gefährlich noch Verbrecher
sie fressen sich nur
gegenseitig Wolken vom Teller
samt Himmel Astbesteck und Sonnenbrand
über den Gitterstäben vor den Zellenfenstern
hängen immer öfter rote Wandersocken
Axel Görlach