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Von der Leichtigkeit der Ironie

Titelbild

Leseprobe

Wink von einem Stern

Rose und Rosie hatten eine Mutter und einen Vater. Im wahrsten Sinne des Wortes hatten sie die beiden, denn beide waren schon tot. Zuerst starb der Vater, und ein Jahr darauf, als die Mädchen zu Frauen wurden, ging die Mutter. Der Vater starb unter seltsamen Umständen. Er war beim Einkaufen aus der Kaufhaustür gegangen und so hart gegen einen Laternenpfahl geprallt, daß er an den Folgen der Kopfverletzung starb. Die Ärzte sagten, die inneren Blutungen wären einfach zu stark gewesen. Die Mädchen hatten, so lange die Mutter noch lebte, immer wieder Trost und Aufheiterung erfahren, konnten sich an ihr anlehnen. Dadurch schöpfte die Mutter Kraft. Aber warum starb sie dann so schnell? War sie nicht glücklich? Hatte sie Schwierigkeiten, den plötzlichen, unerwarteten Tod ihres Mannes zu verarbeiten? Keiner hatte so richtig eine Antwort darauf. Jedenfalls war der beste Halt, den die Mädchen gehabt hatten, für immer verloren. Nein. Rosie konnte und wollte sich nicht damit abfinden, setzte sich oft abends auf die Terrasse bis es Nacht wurde und beobachtete den Sternenhimmel. Eines Abends sagte sie zu ihrer Schwester: „Du, Rose, ich glaube, ich habe unsere Mutter entdeckt. Schau du bitte, ob du unseren Vater findest." „Wie meinst du das?", fragte Rose durch die geöffnete Terrassentür. Rosie eilte ins Wohnzimmer, nahm ihre Schwester an der Hand, zerrte sie ins Freie und zeigte in den Sternenhimmel. „Siehst du diesen hellen Stern da, rechts neben dem Polarstern, das ist unsere Mutter", sprach Rosie. „Wie kommst du denn darauf?", entgegnete Rose. „Weißt du, ich stell´ mir vor, was mit Mutter passiert ist, male mir aus, was sie gerne gehabt hätte und komme zu dem Schluß, sie wäre bestimmt gerne im Himmel. Und damit ich sie sehen kann, erfühle ich mir den Stern." Das ist doch alles Quatsch ...", konterte Rose. „Dann erklär´ mir mal, wie Mutter da hinauf gekommen sein soll." „Das kann ich dir auch nicht sagen", antwortete die Schwester. „Aber wir werden es herausfinden. Vielleicht entdecken wir dadurch auch Vater da oben. Jedenfalls hätten es beide verdient.", beendete Rosie.

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